In Deutschland sind etwa 1,5 Millionen Menschen von einer Demenz betroffen. Die Zahl der Betroffenen wird mit der längeren Lebenserwartung der Menschen steigen. Mit dem Projekt AUF FLÜGELN DER MUSIK, das von der Musikwissenschaftlerin Elisabeth von Leliwa entwickelt wurde, wird die Möglichkeit geschaffen, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen und Freunde mit dem Konzertbesuch ein gemeinsames schönes Erlebnis haben. Musik erreicht Menschen über die Gefühle, die unabhängig von der körperlichen oder geistigen Verfassung bis zuletzt erhalten bleiben. Unser Lions-Club Nürnberg Lug-ins-Land hat seit 2016 in jedem Jahr gemeinsam mit der Hochschule für Musik, Herrn Professor Manz, ein Konzert für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und Freunde organisiert.

 

In Kooperation mit der Hochschule für Musik, Dialog Kultur & Demenz der Alzheimer Gesellschaft Mittelfranken e.V., NürnbergStift, Kirche am Weg St. Jobst und Seniorennetzwerk St. Jobst/Erlenstegen.

 




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Seit 2016 organisieren wir in Kooperation mit der Hochschule für Musk einmal im Jahr ein Konzert ganz besonderer Art. Die Zuhörer sind Menschen mit Demenz, begleitet von ihren Angehörigen und Freunden. Basierend auf einem Konzept der Musikwissenschaftlerin Elisabeth von Leliwa mit dem Titel „Auf Flügeln der Musik“ stellt die Hochschule für Musik unter der Leitung von Professor Wolfgang Manz ein speziell auf diese Zielgruppe ausgerichtetes Musikprogramm zusammen. Teilnehmer aus den Pflegeheimen erfreuen sich an dem Konzert und bestätigen mit ihrer Reaktion, dass Musik bei Menschen mit Demenz unabhängig von körperlicher und geistiger Verfassung einen Zugang findet. Musik spricht das Gefühl an und bricht krankheitsbedingte Isolation auf.

 

 

Um die Zielgruppe zu erreichen empfiehlt sich – neben der Unterstützung von Alzheimer Gesellschaft und Angehörigenberatung -, die Zusammenarbeit mit Seniorennetzwerken, Altenheimen, Demenz-Wohngemeinschaften etc. zu suchen. Am Tag des Konzerts helfen die Mitglieder unseres Lions-Clubs mit, das Konzert für alle reibungslos über die Bühne laufen zu lassen: freundlicher Empfang, achtsamer Umgang mit allen, hilfreiche Begleitung der Besucher zu den Sitzplätzen und auf unvorhergesehene Situationen vorbereitet zu sein. Der Konzertsaal muss barrierefrei sein, weil einige Besucher mit Rollstühlen oder Rollatoren kommen. Wir Lions übernehmen Organisation und Finanzierung, die Hochschule für Musik kümmert sich um die Musik.

 

 

 

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Stimmen nach dem Konzert: 

 

 

 

 „Es war für alle ein vergnüglicher Nachmittag, der entspannt von den BewohnerInnen erlebt wurde – das ist nicht immer so. Musik ist dabei eben ein hervorragendes Medium. Ich weiß wovon ich spreche, weil ich in unseren beiden Häusern selbst viel Musik einbringe, dies ein

 

Arbeitsschwerpunkt von mir ist.“ Und weiter

 

 „….. dass es sehr schön wäre, wenn wieder eine solche Veranstaltung auf die Beine gestellt werden könnte. Sofern es für uns möglich ist, würden wir gerne wieder teilnehmen.“

 

Erich Böllner vom sozialtherapeutischen Team

 

 

 

Die Geigerin von der Hochschule für Musik: „…..ich war überrascht, wie konzentriert und aufmerksam zugehört wurde …das war eine großartige Sache….“

 

 

 

"Herzlich möchte ich Ihnen dafür danken, dass Sie mich wieder zum Konzert für 

Demente eingeladen haben. Es war großartig. Höhepunkt war Liszts Liebestraum mit der

Pianistin in einem festlichen Kleid. Das war vollkommen. Ich war Altenpflegerin und kann 

Ihnen bestätigen, dass Demente, wenn schon keine Kommunikation mehr möglich ist, immer noch Freude an Musik haben und gerne mitsingen. Ich kann noch kommunizieren, aber die Demenz schreitet natürlich fort. Ihre V."

 

 

 

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Unsere Club-Mitglieder sorgen dafür, dass die Logistik reibungslos abläuft: Ein freundlicher Empfang und Hilfe bis zum Platz, kein Konzertbesucher soll im Rollstuhl an schweren Türen scheitern und jeder soll neben seinen Angehörigen sitzen können.

 

Zu danken ist auch allen Unterstützern: Frau Nina Gremme von der Initiative Dialog Kultur und Demenz, der Alzheimer Gesellschaft Mittelfranken, der Angehörigenberatung Nürnberg, dem Nürnberg Stift, der Kirche und dem Seniorennetzwerk St. Jobst/Erlenstegen. Sie alle tragen dazu bei, dass dieses wunderbare Konzert stattfinden kann.

 

Der Erfolg macht Mut, ein solches inklusives Konzert zu wiederholen und zu einem regelmäßigen Angebot für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und Freunde zu machen.

 

 

Heidemarie Börnke 

Seniorenbeauftragte 

Lebenskompetenz im Alter

 

 

 Checkliste für die Organisation eines Konzerts für Menschen mit Demenz

(Elisabeth von Leliwa)

 

Diese Checkliste gibt eine grundlegende Orientierung für die Organisation eines Konzerts für Menschen mit Demenz. Die konkrete Ausführung hängt von den Gegebenheiten im jeweiligen Konzerthaus ab und kann sich von Ort zu Ort stark unterscheiden.

 

Grundvoraussetzungen schaffen

 

Musik gilt als Schlüssel zur inneren Welt von Menschen mit Demenz. Ein Konzert kann Wohlbefinden erzeugen, vorausgesetzt, es werden einige grundlegend Dinge beachtet:

 

  • Die Anwesenheit einer vertrauten Begleitperson, die Orientierung gibt, die über den Ablauf informiert ist und eine persönliche Betreuung des/der Menschen mit Demenz gewährleistet
  • Die flexible Rücksichtnahme auf die tägliche Verfassung des/der Menschen mit Demenz
  • Die Information aller Beteiligten (auch Musiker*innen und Aufsichtpersonal), dass Menschen mit Demenz im Publikum sind, die u.U. emotional oder unruhig reagieren können
  • Eine ruhige und reizarme Atmosphäre, in der sich Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen willkommen fühlen und keinen Anpassungsdruck spüren.
Das Know How von Kooperationspartnern nutzen
Die Entwicklung neuer und bedürfnisgerechter Angebote für Menschen mit Demenz setzt voraus, dass sie die konkreten Erfahrungen von DemenzexperInnen auf lokaler und regionaler EbeneEin entscheidender Erfolgsfaktor ist die für ihre Konzepte umfassend einbeziehen:
  • Beratungsstellen Demenz (von Wohlfahrtsverbänden oder der Stadt)
  • Alzheimer Gesellschaft auf lokaler oder regionaler Ebene
  • Lokale Netzwerke
  • Seniorenbüros
  • Datenbank des Bundes: www.wegweiser-demenz.de

Den Aufführungsort wählen und vorbereiten

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die sorgfältige logistische Planung einer Veranstaltung:

 

  • möglichst nahe Anfahrts- und Parkmöglichkeit zum Konzerthaus
  • barrierefreier Zugang, breite Türen, Stolperfallen wie Stufen vermeiden
  • kurze Wege innerhalb des Konzerthauses, naheglegene behindertengerechte Toiletten
  • ausreichend Sitzmöglichkeiten vor Konzertbeginn / idealerweise Rückzugsmöglichkeiten an einen ruhigen Ort
  • unübersichtliche Situation an der Garderobe vermeiden und genügend Garderobenpersonal einplanen
  • Bereitstellen oder Kaufmöglichkeit von nicht-alkoholischen Getränken in kleinen Mengen

 

Wenn das Konzert an einem Ort stattfindet, der eine flexible Bestuhlung zulässt, sollte Folgendes beachtet werden:

 

  • ausreichend breite Gänge zwischen den Stuhlreihen sicherstellen
  • einen Bereich des Saals unbestuhlt lassen (für Rollstühle)
  • Stühle für Begleiter der Personen mit Rollstuhl bereithalten
  • Platz zum Abstellen von Rollatoren einplanen und evtl. kennzeichnen

Planen Sie genügend Personal ein, damit keine Hektik entsteht und vor allem bei Ankunft und Abreise flexibel auf unvorhergesehene Situationen reagiert werden kann:

Das Personal sollte vorab gut informiert sein und hilft:
  • BesucherInnen willkommen zu heißen / zu verabschieden
  • Garderobe, Toiletten, Konzertsaal und vor allem einen Sitzplatz zu finden
  • Plätze für Rollstühle und Rollatoren anzuweisen
  • für alle organisatorischen Fragen zur Verfügung zu stehen

 

Uhrzeiten und Dauer den Bedürfnissen der Zielgruppe anpassen

 

Idealerweise sollte das Konzert zu einer Zeit stattfinden, die mit dem Tagesablauf in Pflegeeinrichtungen, aber auch mit dem häuslichen Pflegealltag kompatibel ist.

 

  • ideal sind der Vormittag (z.B. 10.30 Uhr), Nachmittag (z.B. 15.00 Uhr) oder der frühe Abend
  • das Konzert sollte i.d.R. nicht länger als 60 Minuten dauern
  • bei dem Besuch eines regulären Konzerts evtl. nur einen Teil des Programms wahrnehmen
  • nutzen Sie hier die Kenntnisse der Kooperationspartner

Das Konzertprogramm gestalten

 

Bei der Programmgestaltung tragen für Menschen mit Demenz folgende Aspekte in besonderem Maße zum Konzertgenuss bei:

 

  • Melodik (Bekanntes oder bekannt Klingendes)
  • Viruosität (Beherrschung des Instruments, keine Reizüberflutung
  • visuelle Reize auf der Bühne (z.B. Kleidung der Musiker, Requisiten, Bewegungen)
  • ungewöhnliche Instrumente
  • gute Stimmung im Publikum
  • persönliche Ansprache in einer einfache und kurze gehaltenen Moderation
  • Ruhe im Ablauf

 

Das Publikum finden

 

Nutzen Sie unterschiedliche Verteilergruppen:

 

  • Kooperationspartner aus dem Demenzbereich
  • Pflegeeinrichtungen und betreute Wohngruppen
  • zur direkten Ansprache von Betroffenen, die zu Hause betreut werden:
    - lokale und regionale Presse, besonders die Tagespresse und                                      Träger von Entlastungsangeboten (Tagespflege, Selbsthilfegruppen, Pflegedienste)

 

Die Eingangsschwelle niedrig halten

 

Ermöglichen Sie die persönlichen Kartenreservierung bei einem namentlich genannten Ansprechpartner. Das gibt Interessenten die Möglichkeit, wichtige Fragen im Vorfeld zu klären und sich Mut zusprechen zu lassen. Sie alsOrganisator sollten auf diesem Weg planungsrelevante Informatioen einholen, z.B. über

 

  • die Gruppengröße, Anzahl der rollstühle, Ankunftszeit, Anzahl Pflegepersonal
  • die Konzertbesucher bzw. deren Begleiter erhalten eine Reservierungsbestätigung per Email mit den wichtigsten Informationen zu Veanstaltungsort, Parksituation, Ablauf etc.

Elisabeth von Leliwa

 

 

 

 

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